Composition II
Neu in der Sammlung: Flochs großformatiges Ölgemälde Composition II (Three Sisters), aus dem Jahr 1951 wird 2022 für die Ysabel Sureth Collection (YSC) angekauft.
Drei Frauen versammeln sich an einem Tisch. Zwei stehen im Hintergrund, eine sitzt im Vordergrund, die Hände ineinandergelegt. Sie berühren einander nicht. Die Sitzende bildet das Zentrum. Ob es sich um drei Schwestern, um drei Generationen oder drei Freundinnen handelt, bleibt offen. Sie sprechen nicht sichtbar miteinander. Ihre Blicke kreuzen sich nicht. Und doch entsteht eine stille Kommunikation – eine innere Vertrautheit vermittelt sich.
Die Gesichter sind individuell gefasst: das jüngere, nachdenkliche Profil rechts, das reifere Antlitz links, die konzentrierte, fast lauschende Figur im Vordergrund. Sie sind alle drei präsent. Ihre Gewänder sind in flächigen Partien gesetzt, die Konturen weich, aber bestimmt geführt. Gerade im Zusammenspiel der vertikalen Hintergrundbahnen mit der ruhigen Dreiecksstruktur der Figuren entsteht jene eigentümliche Spannung, die Flochs Nachkriegswerk insgesamt kennzeichnet. Der Tisch bildet eine dunkle Schwelle: Wir als Betrachtende treten heran, beinahe auf Augenhöhe mit der Sitzenden, diese Malerei bindet uns durch Nähe, verweigert jedoch zugleich das Eindringen. Wir sind nah – und doch einen Schritt außerhalb des stillen Kreises.
Zwei Titel sind überliefert: Im Werkverzeichnis bezeichnet Karl Pallauf das Gemälde Composition II (WV-Nr. 479), während im Briefe-Konvolut, das uns zur Verfügung steht, von Three Sisters die Rede ist. Die erhaltene Korrespondenz aus dem Jahr 1977 ist aufschlussreich. Sie dokumentiert den Verkauf des Gemäldes über die Forum Gallery, New York, an das Sammlerehepaar Leon. Uns liegen Briefe von Bella Fishko, von Josef Floch sowie von Hermine („Mimi“) Floch vor, ergänzt durch Zahlungsbelege und Umschläge. Der persönliche Ton im Austausch zwischen Künstler, Galerie und Käufern wird spürbar. Hermine Floch bedankt sich ausdrücklich für das Verständnis der Sammler „for Joseph the artist and Joseph the man“ und unterstreicht damit die enge Beziehungsebene dieser Transaktion. Die Briefe ergänzen das Gemälde für die YSC um eine konkrete kunsthistorische Dimension: Sie dokumentiert nicht nur seine Provenienz, sondern zusätzlich die Marktbedingungen eines etablierten Künstlers im New York der 1970er Jahre, da eine Differenz zwischen Verkaufspreis und Erlös für den Maler besprochen werden musste. Zugleich ist 1977 das Jahr, in dem Josef Floch stirbt. Ein Zeitungsausschnitt von Bella Fishko publiziert, würdigt ihn öffentlich, während die Kondolenzpost persönliche Worte findet. Werk und Dokumente bilden für uns ein geschlossenes historisches Ensemble.
Composition II (Three Sisters in Briefen zwischen Floch und der Forum Gallery N.Y.C. 1977), 1951, Öl auf Leinwand, 134,8 × 100 cm, Werkverzeichnis: Karl Pallauf, WVZ-Nr. 479, s/w-Abb. S. 300), Reprofotografie: Jörg von Bruchhausen
02.06.1977 Brief von Mimi (Hermine) Floch an die Sammlerin Mrs. Linda Leon (YSC-JF-DOC-AConv-3rd-out-003)
Composition II
Neu in der Sammlung: Flochs großformatiges Ölgemälde Composition II (Three Sisters), aus dem Jahr 1951 wird 2022 für die Ysabel Sureth Collection (YSC) angekauft.
Drei Frauen versammeln sich an einem Tisch. Zwei stehen im Hintergrund, eine sitzt im Vordergrund, die Hände ineinandergelegt. Sie berühren einander nicht. Die Sitzende bildet das Zentrum. Ob es sich um drei Schwestern, um drei Generationen oder drei Freundinnen handelt, bleibt offen. Sie sprechen nicht sichtbar miteinander. Ihre Blicke kreuzen sich nicht. Und doch entsteht eine stille Kommunikation – eine innere Vertrautheit vermittelt sich.
Die Gesichter sind individuell gefasst: das jüngere, nachdenkliche Profil rechts, das reifere Antlitz links, die konzentrierte, fast lauschende Figur im Vordergrund. Sie sind alle drei präsent. Ihre Gewänder sind in flächigen Partien gesetzt, die Konturen weich, aber bestimmt geführt. Gerade im Zusammenspiel der vertikalen Hintergrundbahnen mit der ruhigen Dreiecksstruktur der Figuren entsteht jene eigentümliche Spannung, die Flochs Nachkriegswerk insgesamt kennzeichnet. Der Tisch bildet eine dunkle Schwelle: Wir als Betrachtende treten heran, beinahe auf Augenhöhe mit der Sitzenden, diese Malerei bindet uns durch Nähe, verweigert jedoch zugleich das Eindringen. Wir sind nah – und doch einen Schritt außerhalb des stillen Kreises.
Zwei Titel sind überliefert: Im Werkverzeichnis bezeichnet Karl Pallauf das Gemälde Composition II (WV-Nr. 479), während im Briefe-Konvolut, das uns zur Verfügung steht, von Three Sisters die Rede ist. Die erhaltene Korrespondenz aus dem Jahr 1977 ist aufschlussreich. Sie dokumentiert den Verkauf des Gemäldes über die Forum Gallery, New York, an das Sammlerehepaar Leon. Uns liegen Briefe von Bella Fishko, von Josef Floch sowie von Hermine („Mimi“) Floch vor, ergänzt durch Zahlungsbelege und Umschläge. Der persönliche Ton im Austausch zwischen Künstler, Galerie und Käufern wird spürbar. Hermine Floch bedankt sich ausdrücklich für das Verständnis der Sammler „for Joseph the artist and Joseph the man“ und unterstreicht damit die enge Beziehungsebene dieser Transaktion. Die Briefe ergänzen das Gemälde für die YSC um eine konkrete kunsthistorische Dimension: Sie dokumentiert nicht nur seine Provenienz, sondern zusätzlich die Marktbedingungen eines etablierten Künstlers im New York der 1970er Jahre, da eine Differenz zwischen Verkaufspreis und Erlös für den Maler besprochen werden musste. Zugleich ist 1977 das Jahr, in dem Josef Floch stirbt. Ein Zeitungsausschnitt von Bella Fishko publiziert, würdigt ihn öffentlich, während die Kondolenzpost persönliche Worte findet. Werk und Dokumente bilden für uns ein geschlossenes historisches Ensemble.
Composition II (Three Sisters in Briefen zwischen Floch und der Forum Gallery N.Y.C. 1977), 1951, Öl auf Leinwand, 134,8 × 100 cm, Werkverzeichnis: Karl Pallauf, WVZ-Nr. 479, s/w-Abb. S. 300), Reprofotografie: Jörg von Bruchhausen
02.06.1977 Brief von Mimi (Hermine) Floch an die Sammlerin Mrs. Linda Leon (YSC-JF-DOC-AConv-3rd-out-003)